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Medaillenregen beim Heimspiel

Mit vier Bahnen war geplant, am Ende waren sechs im Einsatz und hielten durch: entspannt und weitgehend störungsfrei ging am Wochenende in der Sporthalle Krefelder Straße die Kreismeisterschaft Sportschießen in den Disziplinen Kleinkaliber Sportgewehr (KK) liegend, Dreistellung, 50 Meter, 50 Meter Auflage und Unterhebelrepertierer über die Bühne.

Drei der sieben für die Auflage-Disziplin nutzbaren Bahnen waren in den letzten zwei Wochen aus den Seilen gesprungen. Nachdem eine Reparatur durch Duisburg Sport erst für das neue Jahr in Aussicht gestellt worden war, legten Rheinhauser Vereinsmitglieder selbst Hand an, schraubten Rollen los, zogen Stahlseile ein, richteten Überfahrschienen aus und tauschten Verschleißteile. Ergebnis: die drei betroffenen Stände liefen.

Die neu ausgegebenen Startzeiten mit vier statt sieben Schützen pro Lage und der letzten Startzeit um 16:20 (ursprünglich 14:30) am Samstag und 14:00 (ursprünglich 13:00) am Sonntag ließen sich allerdings nicht kurzfristig zurücknehmen. So war es morgens ruhig auf den Schießständen, zumal auch einige Starter vorgeschossen hatten, weil sie am gleichen Tag noch in Rheurdt in der 50-Meter-Pistole antraten oder zur Aufsicht eingeteilt waren. Die ersten beiden Lagen waren nur mit zwei bzw. drei Schützen besetzt. Einige Sportler indes hatte die Information über die neuen Startzeiten nicht erreicht, sie erschienen zu ihren ursprünglichen – und konnten auf den Stand gehen.

Voll wurde es dann ab Mittag, als die Sportschützen Rheurdt mit acht und der SV Moers-Asberg mit zehn Schützen antraten, dazu einzelne Starter des SV Neukirchen, der PSG Moers, Moerser Sportschützen und BSV Eversael. Da etliche Schützen aber frühzeitig eintrafen, konnte Wettkampfleiter Hans-Gerd Friedrich die Sportler zusätzlichen auf die zusätzlichen Stände zu verteilen. Lediglich Bahn 7 musste stillgelegt werden. Die Rheinhauserin Daniela Breuer wollte hier ihren Durchgang 50 Meter Freihand vorziehen, um am Sonntag zumindest nur drei statt vier (ursprünglich geplant waren 2!) Disziplinen schießen zu müssen. Doch schon beim zweiten Probedurchgang blieb der Scheibenwagen auf 50 Meter stehen und kam erst nach Aus- und wieder Einschalten der Anlage in Langsamfahrt zurück – und wiederholte dies bei jeder Fahrt. Breuer wechselte den Stand und holte mit bescheidenem Ergebnis den ersten Rheinhauser Titel des Wochenendes.

Hielten die Stände durch, so versagte die kreiseigene Auswertemaschine bereits im ersten Durchgang ihren Dienst. Sowohl bei der Auflage-Disziplin als auch beim Liegendkampf müssen die Ergebnisse in Zehntelringen gewertet werden. Elektronische Schießanlagen tun dies automatisch, für Papierzielscheiben wird ein solcher Scanner benötigt, der auch gleich das Ergebnis berechnet. Glücklicherweise hatten die Rheinhauser zwei Ersatzgeräte vor Ort.

So waren am Samstagnachmittag die Wettbewerbe KK Auflage der Senioren III-VI abgeschlossen, ebenso die eigentlich auf Sonntag verschobenen 50 Meter Freihand und die KKa Herren II mit dem Rheinhauser Selcuk Orlaklar als einzigem Starter. Der erste Tag alleine bescherte dem BSV Rheinhausen-Bergheim neun Medaillen, darunter fünf Kreismeistertitel: Peter Kubitza (296,0 Sen III), Harald Breuer (Sen IV) mit einem von nur zwei Ergebnissen über 300 (300,1), gefolgt von Vereinskollegen Klauspeter Hennes (294,9). Rolf Kroniger (Sen IV) wurde mit 294,0 erneut zweiter hinter Hubert Weihofen (Rheurdt, 296,1), wie schon im Luftgewehr Auflage und im KK 100m Auflage. Für die zweite KKa-Mannschaft Sen III-VI (Kroniger, Hennes, Heßhaus (282,9 Platz 9)) reichte es damit für den Meistertitel (871,8) vor Rheurdt (869,9), während Rheinhausen 1 (Breuer, Breuer, Kastner) mit 869,1 nur 0,8 Ringen auf den zweiten Platz fehlte. Erstmalig konnte Rheinhausen auch eine dritte KKa-Mannschaft bei einer Meisterschaft stellen. Trotz des titelwürdigen Ergebnisses von Peter Kubitza wurde diese jedoch im laufe des Wettkampftages auf Platz sieben durchgereicht.

Am Sonntag vervollständigten die Senioren I das Rheinhauser KKa-Ergebnis. Frank Bethge holte mit dem zweiten 300er-Ergebnis des Wochenendes (300,8) den Titel, gefolgt von Markus Wolfgarten (291,1), bei den Herren und Kerstin Rieckenberg (289,4) bei den Damen, sowie gemeinsam mit 881,3 den Mannschaftstitel vor Rheurdt (792,8).

Parallel zu den Auflage-Schützen absolvierten Hannah Hennig (Rheurdt, Junioren II w), Jana Krebs (Holderberg, Damen I) und Daniela Breuer (Rheinhausen, Damen II) ein Wettkampfprogramm, wie es selbst bei internationalen Meisterschaften nicht an einem Tag durchgezogen wird. Nachdem der zweite Durchgang Unterhebelrepertierer abgeschlossen war – im ersten hatte Breuer bereits mitgeschossen – gingen die drei zunächst für die 60 Schuss liegen an den Start. Während Krebs und Hennig Helfer dabeihatten, die ihnen die 30 Scheiben wechselten, stand Breuer dazu alle zwei Schuss auf. Ob also durch rund einstündige 4,5-Kilo-Dauerbelastung des Stützarms oder 30 Liegestütze, die fordernde Disziplin steckte den Schützinnen in den Knochen, als sie den ursprünglich für Samstag angesetzten Dreistellungskampf aus Kniend, Liegend und Stehend angingen. Noch dazu hatte Schießleiter Marcel Doll versehentlich das Vollprogramm aus 3×20 Schuss statt des sonst beim Kreis üblichen Halbprogramms ausgegeben. Auch wenn jede Schützin in ihrer eigenen Altersklasse startete und somit ihre Titel sicher hatte, waren sie also keineswegs unverdient. Im klassenübergreifenden Vergleich lag Breuer in beiden Disziplinen vorne (Liegend 572,1, 3×20 491), im Dreistellungskamp folgte Hannah Hennig mit 461 vor Jana Krebs (438). Beim Liegend tauschten sie die Plätze (Krebs 553,6, Hennig 545,3).

Einschließlich der Titel von Adam Jemiola (209, Platz 1) und Detlef Frühauf (207, Platz 2, mit Peter Kubitza auch Platz 1 mit der Mannschaft) in der parallel in Rheurdt ausgetragenen 50-Meter-Pistole, kommt der BSV Rheinhausen Bergheim nach 75 Starts auf 27 Kreismeistertitel, zwölf zweite Plätze und zehn dritte Plätze. Am 13. Dezember schließen dann die Luftpistolen-Wettbewerbe die Kreismeisterschaften 2026 ab.

Kreismeisterschaft auf der Kippe

Auf Bahn 1 ist der Scheibenwagen aus den Seilen gesprungen, auf Bahn 3 bei hängt er bei 25 Metern fest, auf Bahn 5 ist ein Halteclip für ein Tragseil herausgebrochen. Drei von acht Schießbahnen auf der 50-Meter-Anlage in der Sporthalle Krefelder Straße sind zurzeit defekt – und das eine knappe Woche vor der Kreismeisterschaft in den Disziplinen Kleinkaliber-Sportgewehr Auflage (KKa), Dreistellungskampf (3×20), Liegendkampf, 50 Meter Freihand und Unterhebelrepertierer.

Knapp 60 Sportler aus 7 Vereinen aus Moers, Rheinhausen, Eversael, Rheurdt und Neukirchen-Vluyn sind für die Wettbewerbe gemeldet. Nun hat die Kreissportleitung kurzfristige einen Not-Starterliste erarbeitet, um die Meisterschaft mit weniger Ständen über die Bühne zu bringen. Denn Ausweichmöglichkeiten für die Sportschützen gibt es nicht.

Bis 2019 war die städtische Schießanlage im Henri-Guidet-Zentrum in Moers-Kapellen Austragungsort der Kreismeisterschaft, mit zehn 50-Meter-Bahnen, rund 20 Jahre jünger als die aus dem 70ern stammenden Schießstände Rheinhauser. Doch während der pandemiebedingten Schließung wurde akuter Sanierungsbedarf der Lüftungsanlagen festgestellt. Seither ist die komplette Anlage geschlossen, ohne dass sich etwas tut. Für den Schützenkreis Moers als unterste Verbandsebene des Landesverbandes Rheinischer Schützenbundes ist der über 50 Jahre alte Schießstand in Rheinhausen die einzig verbliebene 50-Meter-Anlage, um regelkonforme Wettkämpfe auszuführen – übrigens nicht nur für Meisterschaften, sondern auch für die noch bis Ende März laufenden Rundenwettkämpfe.

Noch am 10.11. hatte der BSV Rheinhausen-Bergheim dazu den SV Moers-Asberg zu Gast. In dessen Verlauf fielen Stand 1 und 3 aus, die Schützen mussten mitten im Durchgang die Bahnen wechseln. Am nachfolgenden Trainingstag des BSV ereilte Bahn 5 ihr Schicksal. Kreisvorsitzender Hans-Gerd Friedrich (SV St. Sebastian Hochemmerich) hatte den Schaden unverzüglich gemeldet, mit explizitem Hinweis auf die anstehende Meisterschaft. Erst auf erneute Nachfrage erhielt er die Antwort: eine Fachfirma müsse beauftragt werden, nicht vor dem neuen Jahr.

Dabei ist die Technik und ihr Problem den Vereinen nur allzu vertraut: Wie eine Seilbahn werden die Scheibenhalter auf zwei Tragseilen bis zum Kugelfang in 50 Metern Entfernung gezogen. Auf halber Strecke laufen die mehrere Kilo schweren Wagen mit knapp 20km/h an einer Aufhängung über Aluminiumschienen. Diese verbiegen sich mit der Zeit, bis sie schließlich den Scheibenwagen bei der Überfahrt aus den Seilen heben oder dieser sie abreißt. Um den Wagen wieder auf die Seile zu bringen, müssen die Rollen der Scheibenwagen abgeschraubt und die Überfahrschiene gerichtet werden. Eine Reparatur, die die Vereine selber übernehmen würde – einzig, die Anlagen gehören ihnen nicht.

Ohnehin entsprechen die störanfälligen Schießstände und das Schießen auf Pappscheiben schon lange nicht mehr den Anforderungen zeitgemäßen Schießsports. Standard sind elektronische Ziele, die die Treffer optisch oder akustisch im Zehntelmillimeter-Bereich erfassen. Das ist nicht etwa Torlinien-Technik, sondern der Kunstrasen des Schießsports – der aktuelle Zustand der Schießstände in Rheinhausen dagegen ist Ascheplatz. Allein, es fehlen die finanziellen Mittel, und Fördergelder können Vereine ohne eigene Anlagen nicht beantragen.

De facto stehen am kommenden Wochenende nun nur vier Stände für allein 44 Starter im KKa zur Verfügung, Stand acht ist für die Senioren-Disziplin nicht nutzbar, da sich an dieser Stelle der Durchgang auf die Schießbahn befindet und daher kein Auflage-Ständer vorhanden ist. Eine Lage benötigt 55 Minuten Schießzeit und ca. 15 Minuten zum Ein- und Auspacken, Einrichten am Stand, etc. Die KKa-Startzeiten am Samstag wurden daher nach hinten verschoben, die letzte Lage geht 16:40 statt 14:30 an den Start. Die Herren/Damen II und Senioren I/II sowie 3×20 und 50m wurden auf den Sonntag verschoben, an dem ursprünglich nur eine Lage Unterhebelrepertierer und eine Lage Liegendkampf geplant waren. Alles unter der Voraussetzung, dass nicht im Laufe des Wettkampftages nicht weiteren Stände ausfallen.